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Apollo-Experiment 1970
Quelle: http://www.20min.ch Donnerstag 25.12.2008 «Es war so eng, dass wir uns gleichzeitig drehen mussten»
von Daniel Huber
Nur einen Tag benötigten die User von 20 Minuten Online, um das Rätsel der Gretzenbacher Hobby-Astronauten zu lüften: Es waren sieben junge Leute, die im Sommer 1970 ein erstaunliches Experiment durchführten, gegen das «Big Brother» wie Kleinmädchenkram aussieht.
Klemens Schenker beim Einstieg in die Kapsel.
(Bild: Str)
Am 26. Juli 1970 bestiegen drei junge
Männer mitten in der Schweiz eine Raumkapsel. Es war der
Beginn eines Projekts, das in jahrelanger Arbeit minutiös
vorbereitet worden war und nun seinen Test in der
Wirklichkeit erlebte: Zwei Wochen wollten die drei
Hobby-Astronauten auf engstem Raum in der Kapsel
eingeschlossen verbringen und dabei unter Bedingungen leben,
die denen eines Apollo-Raumflugs möglichst nahe kamen. Ein
staunenswertes Vorhaben — staunenswerter war wohl nur noch,
dass die drei tatsächlich ganze zwei Wochen in der Kapsel
ausharrten; betreut von vier Freunden, die das Experiment
von aussen überwachten.
20 Minuten Online hat die Bilder vom Einstieg der «Astronauten» publiziert und mit Hilfe der User einen der Teilnehmer an dem denkwürdigen «Raumflug» ausfindig gemacht: Klemens Schenker (57), der heute als Lehrer in Gretzenbach tätig ist. 3500 Arbeitsstunden
Damals war Schenker 19 Jahre alt und
damit einer der älteren in der Gruppe; der jüngste war erst
17. Sie waren Freunde, schon vor dem Projekt, und sie sind
es heute noch: «Wir haben heute noch Kontakt», sagt
Schenker, «das gemeinsam bestandene Abenteuer hat unsere
Freundschaft noch verstärkt.»
Die fünf Freunde hatten zwei Jahre lang insgesamt um die 3500 Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt. «Wir arbeiteten im Geheimen im Tenn eines verlassenen Bauernhauses, an Wochenenden und oft tief in den Abend» hinein, erzählt Schenker. «Wir hatten uns sowieso schon für
die Fliegerei interessiert», fährt er fort. Damals, gegen
Ende der Sechzigerjahre, sei die Raumfahrt immer
faszinierender geworden; Präsident Kennedys Vision, einen
Menschen auf den Mond zu bringen, der Wettlauf mit den
Russen und schliesslich die Mondlandung 1969 steigerten das
Interesse an der bemannten Raumfahrt enorm. Harmonie-Tests vor dem Einstieg
Davon habe einer von ihnen erfahren,
der damals Austauschstudent in den USA gewesen sei, so
Schenker. «Er brachte von dort Flugpläne der NASA mit. Daran
haben wir uns dann so genau wie möglich gehalten — das Ziel
war die Simulierung eines Mondflugs ohne Landung. Wenn da
"Funkstille" stand, haben wir die Verbindung nach aussen
ebenfalls unterbrochen».
Jeder der fünf Freunde habe einen Zuständigkeitsbereich gehabt; so sei einer für den medizinischen Bereich verantwortlich gewesen. «Heute ist er Zahnarzt», lacht Schenker. Und der Techniker sei heute Maschineningenieur. Da es in der Kapsel zu dritt extrem eng war und das Experiment auch nicht nur ein paar Stunden dauerte, mussten die fünf sich genau überlegen, wer von ihnen zusammen in den Verschlag steigen sollte. «Wir mussten das zuerst ausprobieren. Wir haben drei Versuche gemacht, einmal zum Beispiel über Pfingsten, um herauszufinden, welche drei von uns unter diesen Bedingungen am besten miteinander zurechtkamen.» Die beiden anderen betreuten die «Raumfahrer» danach von auuserhalb der Kapsel, gewissermassen als «Bodenteam». Eine Klappe für den Abfall Die Kapsel, die im Durchmesser etwa
2,5 Meter mass und annähernd 2,5 Meter hoch war, stand auf
einem eigens gezimmerten Gerüst und hatte eine abnehmbare
Kuppel. Dazu verfügte sie über eine Klappe, über die der
Abfall entsorgt werden konnte. Kühle Frischluft — es war
schliesslich Hochsommer — kam aus dem Keller des
Nachbarhauses, ebenso der Strom. Am 26. Juli 1970 startete dann das
Experiment unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit:
«Das Fernsehen kam und Charles Raedersdorf von "Autoradio
Schweiz"», erinnert sich Schenker. «Der Medienhype hat uns
völlig überrumpelt. Wir hätten nie gedacht, dass unsere
Aktion so weite Kreise ziehen würde.» Doch es war eine Erfahrung, die sie
in ihrem Leben nicht mehr vergessen würden. «Wir haben bei
diesem Projekt enorm viel gelernt», sagt Schenker.
Schenker im Inneren der Kapsel
Die «Astronauten» bei der Verabschiedung vor dem Einstieg
«Raumfahrer» Klemens Schenker
heute (Bild: Simplex)
Quelle: http://www.20min.ch Donnerstag 25.12.2008 |