Diabetes Typ 2 (Zuckerkrankheit)
Generell verändert Übergewicht den Hormonhaushalt und bringt viele andere
Körperfunktionen aus dem Lot. Sehr häufig wird dadurch ein
Diabetes Typ 2 ausgelöst.
Steigt nach einer Mahlzeit der Zucker (Glukose)
im Blut an, so produzieren die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
das Hormon
Insulin und leiten es in den Blutkreislauf.
Insulin dockt an so genannte Insulin-Rezeptoren an und bewirkt, dass
Muskelzellen, Fettzellen und andere Zellen die Glukose aus dem Blut
aufnehmen und der Energiegewinnung zuführen können. Durch dauernde
Überernährung sinkt - wegen des Überangebots an Glukose und des damit
verbundenen chronisch erhöhten Insulinspiegels - die Sensibilität und die
Anzahl der Insulin-Rezeptoren. Das im Blut vorhandene Insulin reicht nicht
mehr aus, den Glukoseüberschuss in der Blutbahn abzubauen. Dadurch leidet
der Körper unter einem relativen Insulin-Mangel. Es muss dauernd neues
Insulin gebildet werden. Die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse erschöpfen.
Sie brennen sozusagen aus. So entwickelt sich ein so genannter
insulinresistenter Diabetes mellitus Typ 2.
Wenn es einem Patienten gelingt, sein Körpergewicht durch Umstellung der
Ernährungsgewohnheiten und durch vermehrte Bewegung zu senken und auf einem
tieferen Niveau zu stabilisieren, so hat er eine gute Chance, dass seine
Insulin-Rezeptoren wieder sensibler und zahlreicher werden. Das kann
bedeuten, dass er unter Umständen sogar auf eine medikamentöse Therapie und
aufs Insulin-Spritzen verzichten kann - in Absprache mit seinem Arzt
natürlich.
Andere Stoffwechselstörungen
Übergewicht verursacht Veränderungen im Fettstoffwechsel. Es besteht zum
Beispiel ein Überangebot an
Cholesterin und Triglyzeriden im Blut. Dagegen
sinkt die Konzentration des so genanntem HDL-Lipoproteins. Seine Aufgabe
besteht darin, Cholesterin aus dem Körpergewebe in die Leber zu
transportieren und auf diese Weise dessen Abbau zu unterstützen. Im
Gegensatz dazu steigt die Konzentration des LDL-Lipoproteins im Blut an.
LDL-Lipoproteine enthälten besonders viel Cholesterin und begünstigt eine
Schädigung der Blutgefässwände (Arterienverkalkung,
Arteriosklerose). Im Volksmund werden LDL deshalb
als «schlechtes Cholesterin» und HDL als «gutes Cholesterin» bezeichnet.
Weitere Folgen chronisch erhöhter Blutfettwerte sind: Fettleber mit
Leberzirrhose-Gefahr sowie Bildung von
Gallensteinen. Auch Störungen im so genannten
Purin-Stoffwechsel (meist genetisch bedingt) können vorkommen. Dadurch
steigt die Harnsäure-Konzentration im Blut, was manchmal zu Gicht führen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herzinfarkte und
Hirnschläge kommen bei Übergewichtigen häufiger
vor als bei Normalgewichtigen. Denn Fettleibigkeit stellt für das
Herz-Kreislaufsystem eine starke Belastung dar. Folgeerscheinungen wie
Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte schädigung die
Blutgefässe (Arteriosklerose) und begünstigen somit Herzerkrankungen wie die
koronare
Herzkrankheit , die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)
oder auch Schlaganfälle. Wichtig: Eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn
Prozent senkt die Wahrscheinlichkeit, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu
sterben, bereits erheblich!
Magen-Darm-Erkrankungen
Mehr als 35 Prozent aller übergewichtigen Frauen leiden an Erkrankungen der
Gallenwege. Dazu gehören Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) und
Bildung von Gallensteinen (Cholezystolithiasis). Speziell gefährdet sind
adipöse Frauen über 40, die noch nicht die Menopause erreicht haben. Bei 95
Prozent aller Übergewichtigen besteht eine geringe Verfettung der Leber, bei
35 Prozent sogar eine Fettleber. Auch die so genannte
Refluxkrankheit (saures Aufstossen) verbunden mit
einer Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis) ist bei Übergewicht
häufig.
Gelenkbeschwerden
Übergewicht führt zu einer Überbelastung der Gelenke. Betroffen sind der
untere Wirbelsäulenbereich sowie die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke.
Frühzeitige Abnutzungserscheinungen, Knorpeldefekte und Schmerzen in den
betroffenen Gelenken (Arthrose)
sind die Folge - auch schon bei Jugendlichen. Der Teufelskreis beginnt: Die
(Arthrose-) Patienten bewegen sich wegen ihrer oft ungenügend behandelter
Schmerzen nicht mehr und nehmen noch weiter an Gewicht zu.
Atem-, Lungen- und Schlafprobleme
Grosse Fettpolster behindern das normale Atmen. Kurzatmigkeit (Dyspnoe)
und chronischer Sauerstoffmangel (Zyanose) können die Folge sein. Häufig
leiden Übergewichtige auch am so genannten
Schlafapnoe-Syndrom. Lautes Schnarchen in
Verbindung mit langen Atemaussetzern zerstückeln den Schlafes. Die
Betroffenen sind tagsüber sehr müde und abgeschlagen. Die Lebensqualität
sinkt massiv.
Schlechte Lebensqualität
Adipositas bedeutet in vielen Fällen eine erhebliche Herabsetzung der
Lebensqualität. Denn extrem fettleibige Menschen sind in ihrer Beweglichkeit
und ihrem Bewegungsradius sehr eingeschränkt. Sie leiden unter Kurzatmigkeit
und geraten bei der kleinsten Anstrengung ins Schwitzen. Zunehmende
Schmerzen in den stark belasteten Gelenken verstärken den Hang zur
Passivität und Bewegungsunlust. Auch die körperliche Hygiene kann darunter
leiden, weil die Betroffenen auf Grund ihrer Körperfülle nicht mehr alle
Körperregionen erreichen können und manchmal gar nicht mehr in eine
Badewanne oder Dusche passen. Auch der Spass im Leben kommt zu kurz: Viele
Aktivitäten und Ausflüge sind für stark übergewichtige Menschen nur
eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.
Soziale und psychische Auswirkungen
Fettleibigkeit ist in einigen Kulturen ein Schönheitsideal. In unseren
Breiten führt sie aber häufig zur sozialen Ausgrenzung der Betroffenen. Das
fängt schon im Kindergarten an. Depressivität, Ängstlichkeit und schlechtes
Selbstwertgefühl können die Folgen sein. Die starke Einschränkung der
Beweglichkeit, welche die Lebensqualität in vielen Bereichen erheblich
reduziert, verstärkt die seelische Belastung zusätzlich. Kommt dann noch die
Frustration nach erfolglosen
Diäten mit
Jo-Jo-Effekt dazu, ergeben sich viele
Adipositas-Patienten ihrem Schicksal.
Krebserkrankungen
Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko, an bösartigen Tumoren im Bereich
des Darms (Dickdarm,
Mastdarm), der Vorsteherdrüse (Prostata),
der Gebärmutter (Uterus),
der Eierstöcke (Ovarien),
der
Brust und der
Niere zu erkranken.